Die vom Gesetz vorgesehene Bezeichnungspyramide weist in der Praxis eine unnatürliche Mengenverteilung auf: Die Olivenöl-Kategorien, von denen in Wirklichkeit die größten Mengen erzeugt werden, sind Lampantöl und einfaches „Vergine“. Von echtem „Extra Vergine“ ist gerade genügend vorhanden, um der Qualitätspyramide eine dünne Spitze aufzusetzen.
Dank der fehlenden Kontrollen ist „Extra Vergine“ aber praktisch
das einzige präsente Öl im Handel – in Deutschland über neunzig
Prozent des Olivenölmarktes –, während vergleichsweise wenig
„Olivenöl“ und kaum nennenswerte Mengen als „Vergine“ auf den
Markt kommen.
Sicher ist es Aufgabe der Lebensmittelindustrie und
der Großverteiler, auch mittelmäßige Ölqualitäten unter die Leute zu
bringen. So wäre es sicher falsch, diesen das einträgliche Geschäft
mit Zweitklassware zu verderben.
Skandalös ist nicht, dass es schlechte Öle gibt, skandalös ist, dass diese als Topware deklariert werden!
Solange die Verbrauchertäuschung den Abfüllern so leicht gemacht wird, solange ziehen diese – irgendwie verständlich – vor, ihre Ware zu ihrem Vorteil falsch zu deklarieren, statt sie freiwillig zu Vergine zu deklassieren oder zu rektifizieren und als einfaches Olivenöl auf den Markt zu bringen. Der Vorwurf für die Schuld am systematischen Etikettenschwindel trifft nicht nur diejenigen, die daran verdienen, sondern auch diejenigen, die uns vor Falschdeklaration zu schützen hätten.
Quelle: Zeitschrift Merum
(Mit freundlicher Genehmigung der Merum-Redaktion)